Auf die Kante kommt es an! Trennen ohne Stanzübergänge

Manchmal gibt es Anwendungen, bei denen die Blechkante und deren Qualität speziell wichtig ist. Ein klassisches Trennwerkzeug hinterlässt markante Spuren, sogenannte Stanzübergänge. Dies kommt vom Materialfluss, der bei den scharfen Ecken eines klassisch rechteckigen Trennwerkzeugs abrupt ändert.

Ursprünglich gerne gebraucht von unseren Freunden von MATE GmbH in Oberursel, hat es ein kleiner aber feiner Trick schon 1994 in den offiziellen Werkzeugkatalog von MATE Precision Tooling USA geschafft:

Um Unregelmässigkeiten an der Blechkante zu reduzieren, die ein rechteckiges Stanzwerkzeug hinterlässt, ist es eine gebräuchliche Deutsche Praxis, 5×56 Langloch Stempel und Rechteck-Matrizen mit Eckradius R1 einzusetzen.

Trennen mit rechteckigem Stempel und Matrize hinterlässt «schmale Zähne», welche auch optisch unerwünscht sein können. Sie sind das Resultat der Kräfte, die beim Stanzvorgang auf die Blechkante wirken.

Die scharfen Ecken des Rechteck-Stempel und der Rechteck-Matrize verursachen einen abrupten Richtungswechsel des Materialflusses, während der Abtrennung des Butzens vom Blech. Diesem Vorgang kann entgegengewirkt werden, in dem die Ecken mit Radien versehen werden. Mit wachsendem Radius erhöht sich auch die Gleichförmigkeit des Materialflusses.

Wenn die Grösse des Eckradius die halbe Breite des Rechtecks erreicht, spricht man vom Langloch. Diese Stempelform liefert die gleichförmigste Kraftverteilung und entsprechend beste Kantenqualität.

Welche Werkzeuge setzt man dafür ein?

Das Trennwerkzeug besteht aus einem Langloch Stempel und einer Matrize mit 4x Radius Ecken.
Dieser Aufbau ermöglicht das Trennen an der Teilekontur mit stark verminderten Stanzübergängen.

Das Musterblech vom Titelbild aus 2mm Edelstahl wurde mit folgender Konfiguration gestanzt:
Stempel: Langloch 30×8
Matrize: Rechteck 30×8, 4x R2.5 / +0.5